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Parenterale Ernährung

Die parenterale Ernährung sichert die Nährstoffversorgung von Patienten mit eingeschränkter Verdauung. Erhalten Sie alle wichtigen Informationen zu den Arten, Zielen, Inhalten, Nebenwirkungen und den Kosten der parenteralen Ernährung.

 

Inhalt

 

Was ist parenterale Ernährung?

Eine parenterale Ernährung bezeichnet eine Ernährung unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts. Die Nährstoffe werden daher über eine Vene oder über einen Port direkt ins Blut gegeben.

 

Welche Arten der parenteralen Ernährung gibt es?

Wird ein Patient ausschließlich über die Vene ernährt, spricht man von einer totalen parenteralen Ernährung (TPE). Das ist immer der Fall, wenn der Patient nicht in der Lage ist Nahrung zu sich zu nehmen und zeitgleich der Magen-Darm-Trakt Nährstoffe aufzunehmen, beispielsweise aufgrund von sehr starken Durchfällen oder Tumoren im Magen-Darm-Trakt. Gibt es noch eine Rest-Verdauungs-Aktivität, die aber nicht mehr ausreicht, um den Patienten vollständig zu ernähren, kann parenterale Ernährung supplementierend, also ergänzend gegeben werden (SPE).

 

 

Parenterale Ernährung bei onkologischen Patienten – Wann sollte man beginnen?

Ziel einer Ernährungstherapie (sowohl einer enteralen, parenteralen Ernährung und der Ergänzung mit hochkalorischer Trinknahrung) bei einer Krebserkrankung ist es, die Mangelernährung des Patienten zu verhindern. Eine Mangelernährung definiert sich dabei nicht ausschließlich über das Gewicht, sondern über den ungewollten Gewichtsverlust über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Es können also auch übergewichtige Personen von einer Mangelernährung betroffen sein. Kriterien dazu können in der S3-Leitlinie eingesehen werden. Die parenterale Ernährung ist dabei das letzte Mittel, um eine Mangelernährung zu verhindern. Erst wenn der Nährstoffbedarf nicht mehr über enterale Ernährung gedeckt werden kann, wird die parenterale Ernährung hinzugezogen.

 

Was ist das Ziel der parenteralen Ernährung?

Die parenterale Ernährung soll den Energiebedarf des Patienten sicherstellen und so einer Mangelernährung vorbeugen oder eine bestehende Mangelernährung behandeln.

 

Wie wird parenterale Ernährung verabreicht?

Da bei der parenteralen Ernährung der Verdauungstrakt umgangen wird, werden die Nährstoffe direkt ins Blut gegeben. Das passiert über einen Venenzugang. Dabei kann es sich um einen ZVK (zentralen Venenkatheter), einen Port oder eine Venenverweilkanüle handeln, abhängig davon, wie lange ein solcher Zugang benötigt wird.

 

Wie lange kann man parenteral ernährt werden?

Die totale parenterale Ernährung (TPE) sollte nur so lange wie notwendig eingesetzt werden. Sobald der Verdauungstrakt in der Lage ist, Nahrung zu verwerten, wird zumindest anteilig auf eine enterale Ernährungsform umgestellt. Grundsätzlich gibt es aber keine feste zeitliche Begrenzung.


Können Nebenwirkungen und Risiken auftreten?

Durch die direkte Gabe der parenteralen Ernährung in den Blutkreislauf, besteht ein gewisses Infektionsrisiko, dass durch die sterile Herstellung der Nährlösung sowie Hygiene im Umgang mit dem Zugang minimiert werden kann. Außerdem muss auf Wechselwirkungen zwischen Bestandteilen der Ernährung und Medikamenten, die ebenfalls durch den Venenzugang verabreicht werden, geachtet und gegebenenfalls ein zeitlicher Abstand eingehalten werden.

Eine Gefahr besteht auch durch eine mögliche Überfütterung des Patienten, insbesondere wenn bereits eine Mangelernährung vorliegt. Darum haben Ärzte und Pflegepersonal verstärkt ein Auge auf die Zusammensetzung der Nährstoffe und deren Verträglichkeit für den Patienten.

 

Aus welchen Nahrungsbestandteilen setzt sich parenterale Ernährung zusammen?

Da keine Verdauung stattfindet, muss sich die parenterale Ernährung aus Stoffen zusammensetzen, die unser Körper direkt aus dem Blut verarbeiten kann. Die Säulen der parenteralen Ernährung sind dabei Aminosäuren, Glucose und Triglyceride. Aminosäuren sind die Bausteine des wichtigen Nahrungsbestandteils Protein (Eiweiß), komplexe Kohlenhydrate aus beispielsweise Nudeln, Brot oder Reis spaltet unser Körper zu Glucose und die Triglyceride sind Fettbestandteile. Ergänzt werden diese drei Grundbausteine außerdem durch wasser- und fettlösliche Vitamine, Spurenelemente und Elektrolyte wie Natrium, Kalium oder Magnesium.

 

Wie viel kostet parenterale Ernährung?

Die Kosten für eine parenterale Ernährung sind schwierig abzuschätzen. Ohne Zubehör kann man bei einer vollständigen parenteralen Ernährung von etwa 150€/Tag ausgehen. Mit diesen Kosten werden die Patienten aber nicht allein gelassen, da es sich um eine medizinisch notwendige Intervention handelt. Für gesetzlich Versicherte besteht aber wie bei Medikamenten eine Zuzahlungspflicht.

 

Wo erhalte ich parenterale Ernährung?

Die Verabreichung der parenteralen Ernährung kann sowohl stationär als auch ambulant stattfinden. Die Nährlösung und das nötige Zubehör zur Applikation erhalten Sie über spezialisierten Apotheken, die sterile Zubereitungen herstellen können. Apotheken benötigen dafür unter anderem ein Reinraumlabor und speziell geschultes Personal.

      

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Zuletzt geändert am: 10.06.2021
Autor
Expertengremium Apotheken

Hauptautorin: Julia Schwarzenberg - Apothekerin

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