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Nuklearmedizinische Therapie

 

Inhalt

 

Was ist eine nuklearmedizinische Therapie?

Bei einer nuklearmedizinischen Therapie werden radioaktive Stoffe, meist in Form einer Flüssigkeit oder eines Pulvers (z.B. als Kapsel), in den Körper des Patienten eingebracht. Ähnlich wie bei diagnostischen nuklearmedizinischen Untersuchungen reichern sich diese radioaktiven Stoffe in dem Zielgebiet meist sehr spezifisch an und bestrahlen dabei z.B. die Tumorzellen. Die meisten Therapien funktionieren dabei nach dem sogenannten „Theranostik-Prinzip“. Dieser Begriff beschreibt die enge Verzahnung aus Therapie und Diagnostik. Mithilfe nuklearmedizinischer diagnostischer Verfahren (in aller Regel mit dem PET) werden genau die Patienten identifiziert, die für eine spezielle Therapie in Frage kommen. Dabei sieht man bereits in den diagnostischen Bildern, welche und wie stark einzelne Tumore die Therapiesubstanz anreichern werden und somit der Therapie zugänglich sind.

 

 

Welche Therapien gibt es in der Nuklearmedizin?

Die häufigste, und auch bekannteste Therapie, ist die Radiojodtherapie. Hierbei wird radioaktives Jod (I-131) verwendet, das sowohl bei gutartigen als auch bei bösartigen Schilddrüsenerkrankungen zum Einsatz kommt. Das Radiojod reichert sich spezifisch in Schilddrüsenzellen, und zu einem gewissen Grad auch in Schilddrüsenkrebszellen, an und bestrahlt diese von innen.

Eine weitere, häufig durchgeführte Therapie ist die Peptid-Rezeptor-Radionukldid-Therapie (mit Lutetium-177 markiertem DOTA-TATE) zur Behandlung von neuroendokrinen Tumoren. Hierbei macht man sich den Umstand zunutze, dass neuroendokrine Tumore einen speziellen Rezeptor auf der Zelleroberfläche sehr stark ausbilden. Dieser Rezeptor wird von der nuklearmedizinischen Therapiesubstanz gezielt angesteuert und reichert sich in den Zellen an. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen zerfällt die radioaktive Substanz und bestrahlt die krankhaften Zellen von innen.

Eine weitere wichtige und neue Therapie ist die Radioligandentherapie mittels PSMA-Liganden (177Lu-PSMA-Liganden) bei Patienten mit einem metastasierten Prostatakarzinom. Auch hier reichert sich die radioaktive Substanz vermehrt in Prostata-Zellen an, die PSMA (Prostata-spezifisches Membran-Antigen) ausbilden und bestrahlt die Krebszellen von innen.

Weitere Beispiele für nuklearmedizinische Therapien sind beispielsweise die sog. SIRT (selektive interne Radiotherapie) zur Behandlung von Leberkrebs, spezielle Therapien zur Behandlung von Knochenmetastasen oder zur Behandlung von chronisch entzündeten Gelenken.

 

Was ist der Unterschied zur klassischen Strahlentherapie?

Bei der klassischen Strahlentherapie wird die Strahlung meist außerhalb des Körpers durch ein Gerät verabreicht. Dabei wird auch gesundes Gewebe notgedrungen bestrahlt. Diese Art der Bestrahlung ist sehr effektiv und kann bei vielen Krebserkrankungen eingesetzt werden. Hat ein Patient hingegen viele Metastasen, kann die Strahlentherapie von außen häufig nicht mehr angewendet werden. Um alle Metastasen im Körper zu bestrahlen, würde hierdurch als Nebenwirkung zu viel gesundes Gewebe mitbestrahlt werden. Insbesondere bei diesen fortgeschrittenen Erkrankungen kommt die nuklearmedizinische Therapie zum Einsatz. Nuklearmedizinische Therapiesubstanzen reichern sich spezifisch in den jeweiligen Zellen an. Die höchste Strahlungswirkung wird im Tumor abgeben unter weitgehender Schonung des gesunden Gewebes.

 

Welche Strahlen werden bei einer nuklearmedizinischen Therapie verwendet?

Am häufigsten werden radioaktive Substanzen verwendet, die eine Beta-minus-Strahlen aussenden. Hierbei handelt es sich um schnelle, energiereiche Elektronen, die nur wenige Millimeter vom Entstehungsort im Gewebe ihre Energie abgeben und das umliegende Gewebe bestrahlen. Bei manchen Therapien kommen auch sogenannte Alpha-Strahler zum Einsatz. Dabei senden die zerfallenden Atomkerne schnelle, energiereiche Helium-Kerne aus die einer Reichweite von weniger als 0,1 mm im Gewebe haben. Der entstehende Schaden ist bei dieser Strahlungsart deutlich höher als bei der Beta-minus Strahlung.

 

Wie laufen nuklearmedizinische Therapien ab?

Die meisten nuklearmedizinischen Therapien müssen auf speziellen Strahlenschutzstationen (nuklearmedizinische Therapiestation) durchgeführt werden. Dabei wird die radioaktive Therapiesubstanz entweder als Kapsel gegeben (z.B. Radiojod), direkt über eine Vene in den Körperkreislauf verabreicht (z.B. 177Lu-DOTA-TATE oder 177Lu-PSMA) oder über eine Arterie direkt in die Leber injiziert (wie z.B. bei der SIRT). Nach der Behandlung wird die Anreicherung der Therapiesubstanz dokumentiert und überprüft. Aus Strahlenschutzgründen müssen die Patienten mindestens 48 Stunden auf einer nuklearmedizinischen Therapiestation bleiben. Behandlungen von Knochenmetastasen oder von chronisch entzündlichen Gelenken können in Deutschland auch ambulant durchgeführt werden.

 

Sind nuklearmedizinische Therapien schmerzhaft?

Nuklearmedizinische Therapien werden in der Regel sehr gut vertragen. Abgesehen von der Einstichstelle, wenn die Substanz über die Vene oder Arterie in den Körper eingebracht werden muss, können strahlenbedingte Entzündungen und Schwellungen ggf. Schmerzen verursachen. Diese Schmerzen kommen jedoch nur vereinzelt vor, sind nur in den ersten ein bis zwei Tagen nach der Therapie vorhanden und können gut mit Schmerzmedikamenten behandelt werden.

 

Welche Risiken und Nebenwirkungen bestehen bei nuklearmedizinischen Therapien?

Neben akuten Nebenwirkungen, wie vorübergehende Schmerzen, gibt es bei nuklearmedizinischen Therapien auch mittel- und langfristige Risiken, die jedoch stark von der Art der Therapie abhängen. Auch wenn die Therapiesubstanz sehr spezifisch in den einzelnen Tumoren anreichert und das umliegende, gesunde Gewebe weitgehend verschont wird, ist auch hier eine Bestrahlung von gesunden Organen unvermeidbar. Bei Therapien, die über die Blutbahn in den Köperkreislauf eingebracht werden, kommt es immer auch zu einer Mitbestrahlung der Blutkörperchen und des blutbildenden Knochenmarks. Auch die Nieren können einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt sein. Zum Teil reichern die Nieren selbst die Therapiesubstanz an und zudem werden die radioaktiven Substanzen meist über die Niere ausgeschieden. Bei der Behandlung von Lebermetastasen mittels SIRT kann es zudem zu einer fehlerhaften Anreicherung in Organen außerhalb der Leber kommen (z.B. im Magen oder der Bauchspeicheldrüse). Bei all diesen Therapien werden jedoch Voruntersuchungen durchgeführt (Blutwerte, PET/CT, Simulation der Therapie) um sicherzustellen, dass der Patient die Therapie gut verträgt und die Nebenwirkungen auf ein Mindestmaß reduziert werden können.

 

Welche Gegenanzeigen bestehen bei einer nuklearmedizinischen Therapie?

Eine absolute Kontraindikation ist eine bestehende Schwangerschaft. Auch Stillen sollte in den meisten Fällen frühzeitig beendet werden, da eine stillende Brust die radioaktive Substanz in vielen Fällen vermehrt anreichert was zu einer erhöhten Strahlenbelastung führt. Ein Stillen im Anschluss an eine nuklearmedizinische Therapie ist in den meisten Fällen nicht empfehlenswert.

Darüber hinaus gibt es auch therapiespezifische Gegenanzeigen, die meist in direktem Zusammenhang mit den Nebenwirkungen der einzelnen Therapien stehen. Hierbei sind ein eingeschränktes Blutbild sowie eine verminderte Nieren- oder Leberfunktion die wichtigsten Kontraindikationen.

 

Was muss man nach einer nuklearmedizinischen Therapie beachten?

In den Tagen nach der Therapie ist es besonders wichtig, sich von Schwangeren und kleinen Kindern fernzuhalten. Auch sind die weitere Nachsorge und die Überprüfung des Therapieansprechens von besonderer Bedeutung. Hierdurch werden mögliche Nebenwirkungen der Therapie bzw. ein nicht-Ansprechen auf die Behandlung frühzeitig erkannt.

Häufig sind nuklearmedizinische Therapien, insbesondere zur Krebsbehandlung, keine einmaligen Therapien, sondern müssen in regelmäßigen Abstanden wiederholt werden oder deren Therapieerfolg überwacht werden. Daher ist eine besondere, interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt von größter Bedeutung. Der weitere Behandlungsplan erfolgt dann patientenindividuell in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt.

 

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Zuletzt geändert am: 21.09.2021
Autor: Expertengremium Radiologie & Nuklearmedizin

Hauptautoren: 

Priv. Doz. Dr. med. Andrei Todica - Facharzt für Nuklearmedizin
Priv. Doz. Dr. med. Harun Ilhan - Facharzt für Nuklearmedizin

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