Menü

   

 

Strahlentherapie (RadioOnkologie) bei Krebs

 Die Strahlentherapie (Radiotherapie) ist neben Operation und Chemotherapie eine der zentralen Säulen der bewährten Krebstherapie. Alle wichtigen Informationen erhalten Sie nachfolgend.

 

Inhalt

 

Wann kommt eine Strahlentherapie bei Krebs in Frage?

Eine Strahlentherapie ist ein lokales und regionales Behandlungsverfahren. Es wird nicht der ganze Körper behandelt, sondern ein genau definiertes Volumen des Körpers. Damit können Nebenwirkungen eingegrenzt werden. Voraussetzung ist, dass mittels Bildgebungsverfahren oder Information aus vorausgegangenen Operationen festgelegt werden kann, welche Strukturen im Körper bestrahlt werden sollen. Das kann der gut abgrenzbare Tumor - umgeben von gesunden Gewebe - sein, aber auch die Stelle, aus der zuvor in einer Operation ein Tumor entfernt wurde, das sogenannte „Tumorbett“, oder die Ausbreitungswege über die benachbarten Lymphabflusswege (feine Lymphgefäße mit den zwischengeschalteten Lymphknoten, in denen sich Krebszellen absiedeln können).

Eine Radiotherapie kann mit dem Ziel erfolgen, einen sichtbaren Tumor anstelle einer Operation zu verkleinern, völlig abzubauen oder bislang unsichtbare Krebszellen abzutöten, bevor sie innerhalb von Monaten und Jahren wachsen und einen Krebsrückfall darstellen, der dann schwer zu behandeln ist. Um das Zielvolumen zu definieren und so einen unsichtbaren Krebsbefall auszuschalten, muss der Radioonkologe über viel Wissen zum Verhalten von Tumorerkrankungen und Rückfallrisiken verfügen. Wissen, das durch Beobachtungen an früheren Patienten der letzten 30 bis 40 Jahren zusammengetragen wurde.

 

Wozu macht man eine Strahlentherapie?

Eine Strahlentherapie ist notwendig, um lokalisierbaren sichtbaren oder unsichtbaren Krebsbefall abzutöten. Ziel ist es, die Patienten von der Krebserkrankung zu heilen oder bei unheilbaren Krebserkrankungen die Symptome zu lindern.

Tatsächlich werden viele Patienten mit heilbaren Tumorerkrankungen „adjuvant“ bestrahlt, um vermutete Tumorreste auszuschalten. Wenn eine Krebserkrankung noch nicht über den Entstehungsort und dem benachbarten Lymphabfluss hinaus gestreut hat, bestehen gute Heilungschancen. Daher ist es wichtig, dass der Tumor und seine Absiedlungen in die regionalen Lymphwege komplett beseitigt werden.

Generell gilt, dass größere Tumormassen am effektivsten wegoperiert werden. Allerdings kann oft nicht so viel angrenzendes gesundes Gewebe mitentfernt werden, dass der Tumor - einschließlich der Ausläufer in die Umgebung -beseitigt ist. Nach einem alleinigen chirurgischen Eingriff kann Krebs an Ort und Stelle wieder auftreten - oder auch entlang der Lymphabflusswege in die Krebszellen mit der Lymphflüssigkeit abwandern. Dann können sogenannte Lymphknotenmetastasen entstehen oder aber eine regionäre Metastasierung. Diese Art der Metastasierung ist abzugrenzen von einer Streuung über den Blutkreislauf, der sogenannten Fernmetastasierung, die wesentlich schlechtere Heilungschancen hat.

Bei einer perkutanen Radiotherapie (Einstrahlung von außen durch die Haut) werden die Bestrahlungsdosen in kleinen täglichen Dosen verabreicht, so dass mitbestrahltes gesundes Gewebe wenig geschädigt wird, Krebszellen aber abgetötet werden. Dieses Behandlungsziel wird „adjuvant“ genannt, da die Bestrahlung den Nutzen der Operation unterstützen und vergrößern soll.

Krebsarten, die sehr gut auf Bestrahlung ansprechen, können sich mit Bestrahlung - meist als Radiochemotherapie in Kombination mit einer verstärkenden Chemotherapie - unter Verzicht auf eine Operation komplett abbauen. Hierzu zählen Tumorarten, deren Entstehung auf Viren (am häufigsten des HPV-Virus) zurückzuführen ist, wie z.B. Gebärmuttermundkrebs, Analkarzinome, manche Karzinome des Rachens und des Nasenrachens. Die Radiochemotherapie ersetzt hier die Operation und die befallenen Strukturen können erhalten werden.

In den letzten 10 -15 Jahren wurden  intensivere Bestrahlungsverfahren entwickelt, um abgrenzbare Tumoren wie z.B. in der Lunge, alleine durch Radiotherapie (ohne Chemotherapie) absterben zu lassen. Hierbei werden hohe, zerstörerische Einzeldosen mit hoher Präzision auf den abgrenzbaren Tumor eingestrahlt (stereotaktischen Radiotherapie als Bestrahlung von außen), oder indem die Strahlenquelle über kleine Schläuche direkt in den Tumorknoten eingebracht oder unmittelbar an den Tumor herangebracht wird (Brachytherapie).

Moderne Radiotherapie mit kleineren und mittelhohen Dosen erzeugt heute kaum mehr Nebenwirkungen. Davon profitieren Patienten mit metastasierten Tumorerkrankungen, bei denen bestimmte Tumorabsiedlungen (z.B. Knochenmetastasen) große Beschwerden bereiten. Eine kurze palliative Radiotherapieserie führt oft zu guter Schmerzlinderung und kann zusätzlich zu Systemtherapie eingesetzt werden.

 

Unterscheidet sich die Strahlentherapie bei den verschiedenen Krebsarten?

Ja! – Die Art der Radiotherapie, auch die Höhe der Bestrahlungsdosis, wird immer bestimmt von Tumortyp und Tumorstadium. Die meisten der unterschiedlichen radiotherapeutischen Methoden können an ein und demselben modernen Linearbeschleuniger durchgeführt werden. In den letzten 30-40 Jahren wurden zahlreiche Behandlungsstudien zum Nutzen der Strahlentherapie bei allen soliden Tumoren durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in Leitlinien zusammengefasst und werden immer wieder überarbeitet. Zu fast jeder Tumorart existieren mittlerweile deutsche und internationale Leitlinien. In den Leitlinien ist definiert, wie Strahlentherapie bei einer Tumorart eingesetzt werden sollte: Beim Ziel der Tumorheilung (in kurativer Absicht) als alleinige Radiotherapie oder in Kombination mit Chemotherapie  (Radiochemotherapie) oder in Kombination mit einer Operation (davor oder danach). Dabei liegen uns meist verlässliche Zahlen zur Abschätzung des Nutzens in Abhängigkeit von Tumortyp und Stadium vor. Patienten werden nur Bestrahlungen angeboten, deren Effekt in Studien nachgewiesen wurde. Bei manchen Tumorarten und Ausbreitungsstadien kann der Patient zwischen Operation oder Radiotherapie wählen, da die Ergebnisse vergleichbar sind. Das Patientenschutzgesetz verpflichtet die Ärzte, den Patienten über alle konkurrierenden Behandlungsmethoden aufzuklären, sofern diese ähnliche Heilungsergebnisse erwarten lassen.

 

 

Wie lange dauert eine Strahlentherapie?

Eine Strahlentherapie wird meist als Bestrahlungsserie durchgeführt, mit typischerweise fünf Bestrahlungen pro Woche.

Es existieren unterschiedliche Bestrahlungsverfahren, entsprechend kann eine Bestrahlungsserie bis zu 40 Termine in acht Wochen umfassen, oder nur eine einzige hochdosierte Bestrahlung im Falle einer stark konformalen stereotaktischen Bestrahlung oder bei schwer erkrankten Patienten, um einen raschen Effekt herbeizuführen. Bei der häufigen Bestrahlung der weiblichen Brust bei Mammakarzinom konnten in den letzten Jahren die Serien von 28 Behandlungen auf 15-16 verkürzt werden, ohne nachweislichen Nachteil für die Patientinnen.

Der tägliche Aufenthalt im Bestrahlungsraum dauert typischerweise ca. 10 Minuten. Mehr Aufwand - auch länger – kann z.B. bei einer Bestrahlung ausschließlich in tiefer Einatmung (Atemgating) zur Schonung von Herz und Lungenanteilen erforderlich sein, oder wenn mehrere Bereiche in einer Sitzung behandelt werden sollen.
Darüber hinaus sollten an manchen Tagen Gespräche mit den Fachärzten eingeplant werden.

 

Wie oft kann man bestrahlt werden?

Wenn in einer bestimmten Körperregion bestrahlt worden ist und später eine Strahlentherapie in einer anderen Region des Körpers nötig werden sollte, so ist dies im Hinblick auf die Vorbestrahlung zumeist problemlos möglich.

Wenn es in einem vorbestrahlten Körpervolumen zu einem erneuten Auftreten von Krebs kommt, muss eine zweite Bestrahlung sehr genau geprüft werden. Gesundes Gewebe erfährt durch eine erneute Bestrahlung deutlich höhere Schäden, da die Reparaturfähigkeit erschöpft ist. Je länger das Intervall zwischen erster und zweiter Bestrahlung ist, desto eher kann mit einer Erholung der Reparaturfähigkeit gerechnet werden. Als kurzes Intervall gelten 1-2 Jahre. Die Reparaturfähigkeit muss für alle zweitbestrahlten Gewebearten einzeln abgeschätzt werden. Ferner muss bei kurzfristigem Wiederauftreten von Krebswachstum mitten im vorbestrahlten Volumen angenommen werden, dass diese Krebsart eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Strahlung aufweist. Im Falle eines Wiederauftretens am Rande des Bestrahlungsvolumens könnte dagegen ein an sich strahlensensibler Tumor mit seinen Ausläufern bei der ersten Bestrahlung inkomplett erfasst worden sein, hier erscheint ein zweiter Bestrahlungsversuch aussichtsreicher. Letztlich muss gegenüber sonstigen Behandlungsalternativen abgewogen werden.

 

Was muss man während einer Strahlentherapie beachten?

Präzision der Bestrahlung bedeutet eine genaue Übereinstimmung des errechneten Bestrahlungsplans mit der täglichen Dosisverteilung im Körper des Patienten (das exakte „Treffen des Tumors“). Hier kann der Patient „mitarbeiten“, indem er während der Planungs-Computertomographie eine entspannte, gut wieder einnehmbare Lage findet. Voraussetzung hierfür ist Schmerzfreiheit. Bitte äußern Sie bei der ersten Lagerung sofort eventuelle Beschwerden, die medizinisch technischen Radiologie-Assistenten werden darauf eingehen und zusammen mit dem Arzt für eine entspannte Lagerung sorgen.

Ängste führen zu Anspannungen. Sprechen Sie diese ruhig aus, das Behandlungsteam wird darauf eingehen. Wenn bei den Behandlungen eine verständnisvolle und vertrauensvolle Atmosphäre herrscht, gelingt die tägliche Lagerung der Patienten gewöhnlich sehr gut.

Bei Bestrahlungen im Becken muss die Füllung von Organen wie die Blase ebenfalls täglich gleich sein. Hierzu erhalten Sie Anleitungen.

 

Ist man während einer Bestrahlungsserie fahrtüchtig?

Viele Strahlentherapie-Behandlungen führen zu nur geringen Nebenwirkungen. Beispiele hierfür sind die Bestrahlung der Brust bei Mammakarzinom oder der Prostata bei Prostatakarzinom. Während solcher Behandlungen sollten Patienten ihren Alltag nicht einschränken, sie können weiterhin mit ihrem PKW zu Einkäufen, Treffen mit Freunden und Sportaktivitäten fahren. Sie können daher auch mit dem eigenen PKW zur täglichen Radiotherapie fahren.

Sind Patienten jedoch durch die Erkrankung geschwächt, müde und behindert, auf starke Schmerzmittel angewiesen oder werden am Gehirn bestrahlt, sollten sie nicht selbst zum Steuer greifen. Ein Patient sollte auch an Tagen, an denen gleichzeitig zur Bestrahlung eine Chemotherapie verabreicht wurde, nicht selber ein Auto lenken. Kosten werden von den Kassen für die Fahrt zur Strahlentherapie übernommen, egal ob der Patient selber oder Angehörige fahren. Auch Kosten für Taxi- oder Krankentransporte werden übernommen, sofern vom Arzt bescheinigt wird, dass diese erforderlich sind.

 

Kann man eine Bestrahlung unterbrechen?

Dies sollte nur geschehen, wenn ein zwingender Grund (etwa ein Unfall oder eine weitere und plötzliche ernste Erkrankung, die eine Bestrahlung verhindert) vorliegt.

Warum ist das so?
Weil eine Bestrahlungspause den Tumorzellen die Möglichkeit eröffnet, sich zu regenerieren und den Grad der Schädigung, der bereits durch die Strahlentherapie erreicht wurde, wieder zu reparieren. Damit verliert die Strahlentherapie bei Fortführung nach der Unterbrechung in einem Grad an Wirksamkeit, der meist mit der Dauer der Unterbrechung korreliert. Eine Verlängerung der Bestrahlungsserie (bei gleicher Gesamtdosis) um wenige Tage wirkt sich also geringer aus als eine längere Unterbrechung. Wie stark sich eine Unterbrechung der Bestrahlungsserie auswirkt hängt allerdings auch wieder von der Tumorart, genauer von deren Reparaturgeschwindigkeit, ab. Zur Kompensation von Bestrahlungspausen kann nach der Pause an einigen Tagen zweimal pro Tag behandelt werden – eine Erhöhung der Gesamtdosis dagegen ist nicht zu empfehlen.

 

Wie entsteht der Strahl im Linearbeschleuniger?

Das Gerät, mit dem in einer modernen Strahlentherapie (RadioOnkologie) der Strahl erzeugt wird, nennt sich Linearbeschleuniger. Ein Linearbeschleuniger arbeitet nicht mit radioaktivem Material! In einem Linearbeschleuniger werden zunächst winzige, elektrisch geladene Teilchen, die Elektronen, erzeugt. Diese werden dann durch Magneten nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt - daher auch der Name des Gerätes. Am Ende der Beschleunigungsstrecke treten Sie entweder als Therapiestrahl aus dem Gerät aus oder treffen auf eine Wolframplatte im Gerät. Durch diesen Aufprall entstehen sogenannte Photonen, die sich durch Ihre physikalischen Eigenschaften hervorragend dazu eignen, Regionen zu behandeln, die tiefer unter der Haut liegen.

Während man also mit Elektronen oberflächliche Erkrankungen behandelt, nutzt man für Therapien der meisten Erkrankungen die Photonen.

   

Strahlentherapeuten suchen und vergleichen

  

Zuletzt geändert am: 02.09.2021
Autor: Expertengremium Strahlentherapie

Hauptautorin: Dr. med. Monika Panzer - Fachärztin für Strahlentherapie und Radioonkologie

Hauptautor: Dr. med. Peter Stoll - Facharzt für Strahlentherapie, Facharzt für diagnostische Radiologie, Facharzt für Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren

Beitrag jetzt teilen

Deutschen Krebshilfe & Deutschen Krebsgesellschaf (o. D.) Broschüren zu übergreifenden Krebs-Themen. In: Deutschen Krebshilfe & Deutschen Krebsgesellschaft. https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/strahlentherapie-nebenwirkungen.php; Letzter Abruf: 30.04.2021

DKFZ (2018) Strahlentherapie: Anwendungsbeispiele und mögliche Nebenwirkungen. In: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ). https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/strahlentherapie-nuklearmedizin/strahlentherapie-nebenwirkungen.php; Letzter Abruf: 30.04.2021

Riesenbeck, D., Reimann, P. & Adamietz, IA. (2013) Prophylaxe und Behandlung von Nebenwirkungen der Strahlentherapie. In: Der Onkologe. Vol. 13, S.267–278.

Schmoll, HJ., Höffken, K. & Possinger, K. (2006) Prinzipien der Strahlentherapie. In: Kompendium Internistische Onkologie. S.541-650.

Weitere Themen:

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien. Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.