Menü

  

 

Evidenzbasierte Medizin

Die „evidenzbasierte Medizin“ (EBM) fordert wissenschaftlich fundierte Forschungen, klinische wie vorklinische Untersuchungen sowie transparent dargelegte Ergebnisse.

 

Inhalt

 

Was ist „evidenzbasierte Medizin“?

Es existieren international gültige Kriterien, nach denen Publikationen von Fachleuten bewertet und hinsichtlich ihres Nutzens unterlegt werden können. In diesem Zusammenhang wir von Evidenz eines Ergebnisses gesprochen. Anschließend werden die Bewertungen in Empfehlungen integriert und beispielsweise in den fachlichen Leitlinien zur Krebsbehandlung verankert. Die EBM unterscheidet dabei fünf Evidenzgrade.

 

 

Welche Evidenzlevel gibt es?

Evidenzlevel 1:

Es existieren hochwertig durchgeführte Studien zur Untersuchung der Wirksamkeit der jeweiligen Methode. Die Untersuchungen erfüllen sämtliche wissenschaftlichen Güte- und Qualitätsanforderungen.

Evidenzlevel 2 bis 4:

Es werden nicht alle (wissenschaftlichen) Anforderungen erfüllt. Die Evidenzstärke sinkt, je weniger Anforderungen berücksichtigt wurden.

Evidenzlevel 5:

Es existieren lediglich Studien, die keine ausreichenden Belege liefern, z. B. in Form von Einzelberichten, Expertenmeinungen oder Untersuchungen, die unter Laborbedingungen durchgeführt wurden, nicht jedoch unter realen Begebenheiten und an Menschen.

 

Nach bestem Wissen und Gewissen…?

Waren Sie auch schon einmal in der verzwickten Situation, nicht zu wissen, für welche medizinische Behandlung oder naturheilkundliche Therapie Sie sich entscheiden sollen? Oder ob und wie Sie Ihre Ernährung oder Ihr Bewegungsverhalten neu ausrichten müssen?

Falls Sie nicht ausschließlich Ihrem impulsgesteuerten Bauchgefühl vertrauen wollen, kommen Sie gar nicht darum herum, auf der Basis einer Flut von verlässlichen und auch unzuverlässigen Informationen zu entscheiden, was nun eigentlich richtig und gut für Sie ist. Jedoch schneller als Ihnen lieb ist, werden Sie mit solchen oder ähnlichen Situationen konfrontiert: Ihr behandelnder Arzt drängt auf eine wissenschaftlich gut dokumentierte Behandlung, während Ihr Nachbar Ihnen gerade erzählt hat, dass er mit genau dieser Therapie keinerlei Erfolg hatte, sondern nur unter den Nebenwirkungen litt.

 

Was nun?

Es mag ein schwacher Trost sein, dass Sie mit diesem Dilemma nicht allein sind. Auch Ihre Ärzte, Ihre Ernährungsberater und Psycho-Onkologen stehen täglich vor genau der gleichen Aufgabe: aus den verschiedensten Informationen herauszufiltern, welche Maßnahme sie Ihnen mit gutem Gewissen anraten können. Grundsätzlich sollten alle Therapievorschläge wissenschaftlich begründet und ihre Wirksamkeit bewiesen, im Fachjargon „evidenzbasiert“, sein. Jedoch ist es schwer, diesem Anspruch immer gerecht zu werden. Vor jeder Entscheidung für oder gegen eine Therapie stehen drei Kardinalfragen:

  • Wird sie voraussichtlich helfen?
  • Kann sie schaden?
  • Bewege ich mich innerhalb oder außerhalb evidenzbasierter, wissenschaftlicher Medizin (EBM)?

Wie nachfolgend beschrieben, ist die seriöse Beantwortung dieser Fragen insbesondere im Bereich der Naturheilkunde oft höchst schwierig. Um nicht von den hohen Ansprüchen paralysiert zu werden, haben David Sackett und Mitarbeiter ein dreiteiliges Modell entwickelt, um mit Ihnen gemeinsam zu möglichst guten und umsetzbaren Entscheidungen zu kommen:

  1. Vernünftiger Gebrauch bestmöglicher wissenschaftlicher Studienergebnisse
    Auf den meisten Gebieten der Komplementärmedizin mangelt es nach wie vor an wissenschaftlich „robusten“ Studiendaten, die zu einer zuverlässigen Therapieentscheidung führen. So mühsam und frustrierend es auch sein mag: bis diese Daten vorliegen, muss sich der seriöse Arzt bzw. Therapeut mit den bisher verfügbaren Studienergebnissen auseinandersetzen und sie für die individuelle Behandlungssituation bewerten. Je unklarer der Nutzen der geplanten Maßnahme, desto zuverlässiger muss zumindest deren Unbedenklichkeit nachgewiesen erwiesen sein.
  2. Klinische Expertise des Therapeuten
    Habe ich ausreichend Kenntnis und Erfahrung in dem, was ich tue? Woher weiß ich das?
    Diese Fragen sind für den Therapeuten manchmal schwer zu beantworten, da es keine eindeutigen Kriterien gibt, ab wann jemand „ausreichend Kenntnis und Erfahrung“ besitzt. So bleibt es letztendlich dem einzelnen Therapeuten überlassen, sich stets aufrichtig zu hinterfragen, hinterfragen zu lassen und Behandlungserfolge mit Misserfolgen in realistische Beziehung zu setzen.
  3. Ihre persönlichen Erfahrungen und Präferenzen
    Welche Erwartungen und Vorerfahrungen haben Sie als Patient oder Angehöriger? Was nützt es, wenn wir Ihnen beispielsweise eine Mistelinjektionstherapie vorschlagen, Sie jedoch unter Nadelangst leiden oder bisher nur Negatives über Misteln gehört haben? Wollen und können Sie Ihre Haltung ändern, falls die Mistel ausgerechnet in Ihrer Gesundheitssituation wissenschaftlich und erfahrungsmedizinisch vielversprechend ist?

Die Entscheidung für oder gegen eine Therapie basiert also auf Einflussfaktoren aus all diesen drei „Evidenz-Sphären“. Je nach Situation erhalten die jeweiligen Bereiche jedoch unterschiedlich starke Gewichtung:

 

           

Finden Sie spezialisierte Experten bei Krebserkrankungen

  

Zuletzt geändert am: 04.05.2021
Autor
Wolfgang Dörfler

Facharzt für Neurologie, Arzt für Naturheilverfahren

Beratungsstelle Komplementärmedizin und Naturheilkunde am Tumorzentrum München

Beitrag jetzt teilen

Cochrane, D. (2020) Evidenzbasierte Medizin. Definition und Hintergrund. In: Cochrane Deutschland. https://www.cochrane.de/de/ebm; Letzter Abruf: 04.05.2021

Evans, I., Thornton, H., Chalmers, I. & Glasziou, P. (2013) Wo ist der Beweis? Plädoyer für eine evidenzbasierte Medizin. In: Bern: Huber.

Jonitz, G. (2016) Evidenzbasierte Medizin: Die korrekte Definition. In: Deutsches Ärzteblatt. Vol. 113 (5), https://www.aerzteblatt.de/archiv/174725/Evidenzbasierte-Medizin-Die-korrekte-Definition; Letzter Abruf: 04.05.2021

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien. Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.