Kunst- und Echthaarperücken

Für welche Perücke entscheide ich mich? Eine Perücke aus Echt- oder aus Kunsthaar?

Auf einen Blick

  • Kunst- und Echthaarperückenmüssen sich optisch und vom Komfort her nicht unterscheiden
  • Perücken sind atmungsaktiv, leicht und wirken sehr natürlich
  • Echthaarperücken kosten mehr, können jedoch ohne Probleme gefärbt oder gelockt werden
  • Für einen vorübergehenden Haarausfall bei einer Chemotherapie sind daher Kunsthaar- oder Mischaarperücken empfehlenswert

Hinweis: Die Informationen dieses Fachtextes können und sollen eine ärztliche Meinung nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

Vor- und Nachteile von Kunst- und Echthaar

Wenn man das erste Mal mit dem Thema Haarausfall aufgrund einer Chemotherapie konfrontiert wird, denken viele zunächst an eine Perücke aus echtem Haar. Die Unterschiede, Vor- und Nachteile von Kunst- und Echthaarperücken lassen Sie sich am besten von Ihrem Zweithaarspezialisten erklären.

  • Gewicht: Kunsthaar wiegt viel weniger als echtes Haar
  • Vielfalt: sehr große Auswahl an Kunsthaarperücken (es gibt viel mehr Modelle als bei Echthaarperücken)
  • Preis: Echthaarperücken sind teurer
  • Einfaches Styling: Moderne Perücken aus hochwertigem Kunsthaar sind von echtem Haar kaum zu unterscheiden und leicht zu stylen
  • Memory-Effekt: Die Frisur springt nach dem Waschen wieder in die Ausgangsform zurück
  • Tragekomfort: sehr natürliches Tragegefühl
  • Sehr leichtes und gutes Frisieren
  • Längere Lebensdauer einer Echthaarperücke

Welche Qualitäts- und Preisunterschiede gibt es?

Krankenkassen übernehmen die Kosten für einen Haarersatz, wenn er bei einem Vertragspartner (Zweithaarstudio, das einen Vertrag zum Abrechnen mit der Kasse hat) gekauft wird. Achten Sie daher bei der Auswahl Ihres Zweithaarspezialisten darauf, einen Vertragspartner Ihrer Kasse zu wählen.

In der Regel zahlen die Krankenkassen bei vorübergehendem Haarverlust – wie es z.B. bei einer Chemotherapie der Fall ist – zwischen 350 und 500 € und bei endgültigem / dauerhaftem Haarverlust bis zu 1.000 €.

Die Mindesttragedauer einer Perücke bei vorübergehendem Haarverlust liegt bei sechs Monaten. Danach kann bei Bedarf ein erneuter Kostenantrag bei der Krankenkasse eingereicht werden. Die Mindesttragedauer eines Haarersatzes bei endgültigem Haarverlust liegt bei 12 Monaten. Hier kann also frühestens nach Ablauf eines Jahres eine erneute Versorgung beantragt werden.

Über die Qualität des Haarersatzes entscheidet insbesondere die sogenannte Montur, der Unterbau der Perücke bzw. des Haarteils. Zweithaarsysteme werden auf den unterschiedlichsten Trägermaterialien, wie Tüll und anderem elastischen, maschigen Gewebe, verarbeitet und die Haare werden auf unterschiedliche Weise an der Montur befestigt.

Wichtig zu wissen: Lassen Sie sich die unterschiedlichen Arten und Qualitäten von Ihrem Zweithaarspezialisten vor Ort zeigen und erklären. Die Wahl der Montur richtet sich nach den Präferenzen und Wünschen des Trägers und nach dem Befestigungssystem.

Art der Montur

Tressenhaarersatz

Das Haar, oftmals Kunsthaar, wird hier maschinell auf Tressen aufgenäht. Bei Tressen handelt es sich um dünne Schnüre. Die Tressen werden lamellenartig auf feinen Bändern aus Baumwolle befestigt, die die Grundform der Perücke bzw. des Haarersatzes bilden.

Tressenperücken passen sich gut an den Kopf von Chemopatienten an. Die Haare haben bei dieser Methode Stand und Volumen am Ansatz und sind einfach zu frisieren. Tressenperücken gewährleisten eine sehr gute Luftzirkulation.

Monofilament 100 % handgeknüpft

Die Haare einer handgeknüpften Perücke bzw. eines Haarersatzes lassen sich kaum von natürlichem Haarwuchs unterscheiden. Sie werden in Handarbeit einzeln an der Grundform aus Tüll befestigt. Handgeknüpfte Perücken gewährleisten eine gute Luftzirkulation und haben einen besonders hohen Tragekomfort für Krebspatienten.

Lacefront / Filmansatz

Bei dieser Herstellungsweise werden die Haare im Stirnbereich und am Pony in Handarbeit einzeln auf einen Monturansatz eingearbeitet. Der Rand der Perücke ist dadurch nicht sichtbar. Der Pony kann auf vielfältige Weisen frisiert werden und wirkt wie natürliches Haar.

Wichtig zu wissen: Gängig als Haarersatz bei vorübergehendem Haarverlust sind Kombinationen wie z.B. die Mono-Tressenperücke – ein handgeknüpftes Monoteil am Oberkopf für einen schönen Scheitel und / oder Wirbel, sowie luftige Tressen am Hinterkopf und im Nacken.

Unterschiede bei der Haarqualität von Kunst- und Echthaarperücken

Es gibt zwei bedeutsame Charakteristika, die die Qualität der Perücke, des Zweithaares bzw. Haarersatzes bestimmen: einerseits die Natürlichkeit im Fall der Haare sowie im Übergang in die eigenen Haare, anderseits die Simulation und Beständigkeit der gewünschten Farbe.

Man unterscheidet zwischen Basiskunstfasern, hitzebeständiger Kunstfaser, hitze- und farbbeständiger Kunstfaser, naturbelassenem Echthaar und behandeltem Echthaar. Kunsthaar- und Echthaarperücken für Chemopatienten sind in allen aufgezählten Varianten verfügbar.

Unterschiede Kunsthaar

Basis-Kunstfaser: 
Diese Perückenart eignen sich gut bei Chemopatienten mit Kurzhaar, wenn diese nicht durchgehend getragen werden. Verschleiß durch Umwelteinflüsse, gute Farbbeständigkeit. Die Perücken sind hitzeempfindlich.

Hitzebeständige Kunstfaser:
Ideal für alle Haarlängen, kann aber nicht durchgehend getragen werden. Vorteile sind der relativ niedrige Verschleiß durch Reibung und Umwelteinflüsse. Die Perücke kann zudem geföhnt werden. Die Farbbeständigkeit ist gut.

Hitze- und farbbeständige Kunstfaser: 
Ideal für alle Haarlängen. Im Gegensatz zur Basis- und hitzebeständigen Kunstfaser kann diese Kunstfaser durchgehend am Kopf getragen werden. Der Verschleiß durch Reibung und Umwelteinflüsse ist sehr gering.  Diese Kunstfaster kann geföhnt werden und hat eine sehr gute Farbbeständigkeit.

Unterschiede Echthaar

Naturbelassene Echthaarperücken:
Diese Perücken sind ideal für alle Haarlängen. Sie können ohne Unterbrechung getragen werden. Jedoch ist der Pflegeaufwand etwas höher. Der Verschleiß durch Reibung und Umwelteinflüsse ist normal. Die naturbelassenen Echthaarperücken können geföhnt und gefärbt werden. Die Farbbeständigkeit kann man mit dem eigenen Haar vergleichen.

Behandelte Echthaarperücken:
Auch diese Echthaarperücken sind sehr gut für alle Haarlängen geeignet und können ohne weiteres durchgehend getragen werden. Der Pflegeaufwand ist etwas höher, der Verschleiß durch Reibung und Umwelteinflüsse minimal. Behandelte Echthaarperücken können auch geföhnt werden.

Wie erfolgt die individuelle Anpassung?

Eine Perücke wird erst als Frisur bezeichnet, wenn die vier Merkmale Passform, Haarlänge, Haarvolumen und Haarfarbe weitestgehend mit Ihren Wünschen übereinstimmen. Sie können und sollen Ihre Haarersatzwünsche frei äußern und der Zweithaarspezialist wird so gut wie möglich darauf eingehen. 

Wichtig zu wissen: jede Frisurenvorstellung ganz individuell vom Zweithaarspezialisten in seinem Studio oder bei einem Hausbesuch umgesetzt. Dazu wird ein Perücken-Basismodell – konfektionierte Ware – genommen und durch Größenanpassung, Schnitt, sowie Formen mit Dampf speziell an die Trägerin angepasst. 

Wie wird eine Perücke befestigt?

Perücken, die auf haarloser Kopfhaut getragen werden und individuell auf die Kopfmaße des Trägers angepasst sind, brauchen oftmals keine zusätzliche Befestigung. Hat die Trägerin noch eigene Haare, kann es sein, dass die Perücke etwas beweglicher auf dem Kopf sitzt.

Dies ist eher ein subjektives Unsicherheitsgefühl, als dass die Perücke tatsächlich verrutschen würde. Um in diesen Fällen ein sicheres und angenehmes Tragegefühl zu vermitteln, können Perücken mit unterschiedlichen Methoden befestigt werden:

1. Clipse
2. dermatologische Klebestreifen
3. eingearbeitete Silikonzonen

Wichtig zu wissen: Permanente Befestigungen, wie z.B. durch Hair Weaving, Bonding oder Micropoint, sind bei Perücken nicht zu empfehlen und bei Chemopatientinnen auch nicht machbar, da dazu noch auf dem Kopf verbliebene Haare benötigt werden. Diese sind bei einer Chemopatientin jedoch nicht mehr vorhanden.  

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Zuletzt geändert am: 03.08.2022
Autor
Expertengremium Zweithaar

Hauptautorin: Ramona Rausch - Geschäftsführerin Bundesverband der Zweithaarspezialisten e.V.

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Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten e.V. (o. D.) Pflege. In: Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten e.V.. https://www.bvz-info.de/Endverbraucher/Qualitaet/Pflege/; Letzter Abruf: 30.04.2021

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