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Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) gegen Krebs

 

Inhalt

 

Was ist eine Phytotherapie?

Die Phytotherapie oder Pflanzenheilkunde zählt zu den ältesten Behandlungsformen überhaupt. Sie ist in allen Kulturkreisen und Regionen präsent und besteht zum großen Teil auf überliefertem Erfahrungswissen, das in den letzten Jahrzenten zunehmend durch phytopharmazeutische Forschung und klinische Studien erweitert wurde.

Unter Phytotherapie versteht man die Behandlung mit Gesamt-Pflanzen, Pflanzenteilen oder Pflanzeninhaltsstoffen. Pflanzliche Präparate oder Phytotherapeutika werden beispielsweise durch Zerkleinerung, Auskochung, Extrahierung mittels Alkohol aus Heilpflanzen gewonnen.

In allen großen traditionellen Medizinsystemen (z.B. Traditionelle chinesische Medizin, Ayurveda,  Kampo-Medizin, europäische Kräuterheilkunde) die derzeit angewendet werden, spielt die Phytotherapie die entscheidende Rolle. Die traditionelle Anwendung erfolgt als Tee, Dekokt (Auskochung) oder Tinktur. Pharmazeutisch hergestellte phytotherapeutische Medikamente unterliegen den gleichen Anforderungen, wie chemisch-allopathische Präparate. Sie müssen hinsichtlich ihrer pharmazeutischen Qualität, ihrer Wirksamkeit und Unbedenklichkeit geprüft sein.

 

 

Wie werden Phytotherapien bei Krebs angewendet?

Pflanzliche Präparate werden in den traditionellen Medizinsystemen vor allem zur Stärkung der gesunden Regulationskräfte eines Organismus eingesetzt. Dies geschieht häufig bereits dann, wenn noch keine Erkrankung diagnostiziert werden kann, sondern lediglich funktionelle Befindlichkeitsstörungen vorliegen. Dieser Behandlungsansatz ist in vielen Fällen auch für Betroffene einer Tumorerkrankung sinnvoll. Ein zweiter großer Einsatzbereich pflanzlicher Präparate ist die gezielte Behandlung von Symptomen der Krebserkrankung selbst (z.B. Appetitlosigkeit, Schwäche) und Nebenwirkungen, wie sie bei einer konventionellen Krebserkrankung auftreten (z.B. Übelkeit, Schleimhautentzündungen). Nicht zuletzt setzen viele Betroffene und ihre BehandlerInnen pflanzliche Präparate mit dem Ziel ein, entweder die antitumoralen Wirkungen konventioneller Präparate zu verstärken, oder allein durch die pflanzliche Substanzen eine solche Wirkung zu erzielen. Letzteres begründet auch die Forschung und Anwendung im Falle der Vorbeugung bei erhöhtem  Krebserkrankungsrisiko oder nach überstandener Krebserkrankung als Rückfallprophylaxe.

 

Welche Wirkung haben Phytotherapien bei Krebs?

Es sind sowohl Wirkungen in Bezug auf eine Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität, der psychischen Befindlichkeit, als auch bei der Behandlung spezifischer Symptome (z.B. Müdigkeit, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Missempfindungen) möglich. Antitumorale Wirkungen bestimmter pflanzlicher Substanzen sind vor allem im Rahmen der Grundlagenforschung gezeigt worden.

 

Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen können auftreten?

Phytotherapeutika können neben den gewünschten Wirkungen auch unerwünschte oder möglicherweise gefährliche Nebenwirkungen, sowie Wechselwirkungen mit chemischen Medikamenten entfalten, die zwingend zu beachten sind.  Dadurch kann die Wirkung von chemischen Medikamenten entweder abgeschwächt oder verstärkt werden, mit schwer einschätzbaren Folgen für die/den PatientIn. Beispielhaft seien hier eine erhöhte Blutungsgefahr oder ein erhöhtes Thromboserisiko sowie Schäden an Leber und Niere genannt. Letztlich ist auch eine Abschwächung der Wirkung bestimmter Krebsmedikamente durch pflanzliche Präparate möglich.

 

Stand der Forschung/ klinische Erfahrungen

Die Zahl der pflanzlichen Einzelsubstanzen und Kombinationspräparate ist schwer überschaubar. Während wissenschaftliche Prüfungen zur Pharmakologie und Toxikologie für viele Einzelpflanzen verfügbar sind, liegen klinische Studien von hoher Qualität und damit akzeptabler Aussagekraft für deren Stellenwert bei Tumorerkrankungen nur für sehr wenige Heilpflanzen (z.B. Grüner Tee, Reishi-Pilz, Mistel) vor.

Zudem ist zu betonen, dass der weitaus größte Teil der Heilpflanzentherapie in Form von traditionell überlieferten Pflanzenkombinationen erfolgt (z.B. Tee-Rezepturen oder Tinkturen aus mehreren Einzelpflanzen). Da diese Rezepturen in der Regel eher niedrige bis mittlere Wirkstoffkonzentrationen enthalten, sind auch eher milde Effekte auf die Befindlichkeit oder Symptomatik zu erwarten. Dies erschwert eine klinische Prüfung in Form von kontrollierten Studien zusätzlich. Der Vorteil der traditionellen Anwendungsform liegt in der in aller Regel auch geringeren Gefahr von Neben- oder Wechselwirkungen.

Je höher die angewendete Substanzkonzentration ist und je invasiver sie eingesetzt wird (z.B. als Infusion), desto besser sollte sie hinsichtlich Toxikologie und Sicherheit geprüft sein.

 

Bewertung und Empfehlung

Eine Heilpflanzentherapie ist keine Alternative zu einer konventionellen Tumortherapie. Pflanzliche Substanzen können als Einzelsubstanz oder in Kombination eine konventionelle Tumortherapie sinnvoll ergänzen. Aufgrund der enormen Anzahl phytotherapeutischer Substanzen und -Kombinationen ist eine generelle Empfehlung zur Symptombehandlung nicht möglich.

Voraussetzungen dafür sind jedoch immer die Beachtung der aktuellen konventionellen Tumortherapie hinsichtlich möglicher Wechselwirkungen sowie die individuelle Situation der PatientInnen (Laborwerte, Leber-, Nierenfunktion, Allergien, Unverträglichkeiten u.a.). Eine Behandlung mittels Heilpflanzen sollte zielgerichtet erfolgen und nach angemessener Zeit hinsichtlich der Wirkung überprüft werden. Die antitumorale Behandlung ausschließlich mittels pflanzlicher Substanzen ist derzeit als experimentell zu bezeichnen und sollte möglichst im Rahmen von klinischen Studien erfolgen.

           

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Zuletzt geändert am: 04.01.2021
Autor
Dr. med. Axel Eustachi

Facharzt für Allgemeinmedizin

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