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Chemotherapie (Polychemotherapie)

Der Begriff Chemotherapie  (Therapie mit chemischen Substanzen) stammt aus der historischen Onkologie, wo man neben „Stahl“ (Operation)  und „Strahl“ (Bestrahlung) als dritte fundamentale Säule der onkologischen Therapie die Chemotherapie postuliert und damit jede konservative Behandlungsmethode (auch Antiemetika, Bisphoshonate, Hormone) subsumiert hat.

 

Inhalt

 

Was ist eine onkologische Chemotherapie?

Der Begriff Chemotherapie oder Polychemotherapie im engeren Sinne wird heutzutage gebraucht für die perorale (enteral, d.h. über den Darm als Tabletten), die parenterale intrakavitäre (d.h. über Pleura, peritonealen Ascites oder Rückenmarksflüssigkeit) oder die parenterale intravasale, am häufigsten als intravenöse Infusion bzw. Verabreichung zytotoxischer (d.h. wachstumshemmender) Arzneimittel. Somit zählt die aktuelle, überwiegend aus Tabletten bestehende, targetorientierte Therapie mit sog. TKI (Tyrosinkinaseinhibitoren und verwandte Arzneimittel) zur Chemotherapie. Werden mehrere Arzneimittel in einem sog. Regime kombiniert, spricht man von Polychemotherapie, bei nur einer Substanz von Monochemotherapie.

 

Was macht eine Chemotherapie?

Dabei handelt es sich um ganz verschiedene, teilweise aus pflanzlichen Giften hergestellte Substanzen (sog. Zytostatika), die den Generationszyklus vorzugsweise schnell wachsender Zellen an unterschiedlichen Stellen hemmen. Dabei existieren Substanzen, die als falsche Metaboliten die Verdopplung der DNS verhindern, Chromosomenverklebungen, -strangabbrüche und falsche Kombinationen erzeugen, die bei der nächsten Teilung einen Zelluntergang (Apoptose) bewirken. Auch sog. Mitosehemmer gehören dazu, die eine geordnete Zellteilung durch Störung des Spindelapparates verhindern.

Da überwiegend schnell wachsende Zellen und Gewebe betroffen werden, halten sich die Schäden auf die gesunden, nur langsam wachsenden Gewebe in Grenzen.

 

Was macht eine Chemotherapie?

 

Was sind die Nebenwirkungen und Risiken einer Chemotherapie?

Ausnahmen und damit häufige Nebenwirkungen (NW)  sind Störungen des gesunden Knochenmarks (Myelosuppression, Erniedrigung der Leukozyten, manchmal auch der Erythrozyten (Hb) und der Thrombozyten mit Gefahr einer  – ggf. fieberhaften – Entzündung bzw. einer Blutarmut (Anämie) bzw. einer Blutung. In seltenen Fällen ist auch eine Bluttransfusion nötig. Weitere häufige Nebenwirkungen der Chemotherapie sind:

Haarausfall, Alopezie:

In der Regel fallen innerhalb von 6 Wochen die Kopfhaare aus, weniger die Körper- und Schambehaarung. Der Patient hat Anspruch auf die Bezahlung einer Perücke. Der Haarausfall erholt sich in der Regel innerhalb von 2 Monaten nach Ende der Chemotherapie. 

Erschöpfung / Fatigue:

Das sog. Erschöpfungssyndrom umfasst eine allgemeine, „bleierne“ Müdigkeit und Schwäche, die sich aber durch Erholung und Schlaf nicht bessern. Dagegen hilft regelmäßige sportliche Betätigung.

Übelkeit / Erbrechen:

Übelkeit und Erbrechen sollten durch staffelbare, antiemetische Therapie weitestgehend verhindert werden können. Falls Sie darunter leiden, sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt darauf an. Manchmal sind Ihrem Arzt solche Probleme gar nicht bewusst.

Allergische Reaktionen:

Generell kann der Patient auf jede Substanz allergisch mit Schockzeichen reagieren. Deshalb ist die Anwesenheit eines erfahrenen Arztes immer notwendig.

Organbedingte Nebenwirkungen:

Viele Zytostatika haben spezifische Nebenwirkungen, die gerade in Verbindung mit einer vorbestehenden Organstörung auch lebensgefährliche Komplikationen hervorrufen können, z.B. Niereninsuffizienz, Herzmuskelschaden und -rhythmusstörungen, Leberschäden, Hautausschläge und Nervenstörungen. Sprechen Sie all diese Themen an. Teilweise ist die Vorstellung bei einem Organfacharzt nötig.

 

Wie lange dauert eine Chemotherapie?

Die klassische parenterale Chemotherapie in Form intravenöser Infusionen wird in der Regel über 3 bis 4, längstens 6 Monate im Abstand von 2 bis 4 Wochen appliziert. Im Intervall sind Blutkontrollen zur Abschätzung der Nebenwirkungen und ggf. Dosisanpassung der Chemotherapie nötig. Orale Therapien werden in der Regel als Dauertherapie (teilweise mit Pausen) appliziert. Auch hier sind Zwischenkontrollen unverzichtbar.

 

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Zuletzt geändert am: 23.09.2020
Autor
Dr. med. Wolfgang Abenhardt
Dr. med. Wolfgang Abenhardt

Internistischer Onkologe

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