Brustkrebs - Mammakarzinom

Von der Definition über Ursachen und Vorsorgemöglichkeiten bis hin zu Diagnose, Therapiemöglichkeit und Prognose. Bei Brustkrebs (Mammakarzinom) handelt es sich um die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Heute ist Brustkrebs sehr gut behandelbar. Es gibt eine Vielzahl an Krebstherapien. Hier erhalten Sie eine Übersicht zu allen Informationen, wie Ursachen, Symptome, Vorsorge, Diagnose, Therapien (Möglichkeiten), Krankheitsverlauf, Prognose und Nachsorge bei Brustkrebs.

 

Inhalt

 

Brustkrebs (Mammakarzinom) – Definition

Unter dem Begriff Brustkrebs (Mammakarzinom) wird ein maligner (bösartiger) Tumor vordringlich der weiblichen Brustdrüse verstanden. Üblicherweise entwickeln sich Tumoren in den Milchgängen und selten aus Drüsenlappenzellen. Hierbei sind ca. 50% der Tumore im Bereich des oberen äußeren Abschnitts (Quadranten) der Brust lokalisiert. Etwa 18% der Tumore finden sich in der Nähe der Brustwarze und 15% im Bereich des oberen inneren Abschnitts der Mamma. Bei Brustkrebs erfolgt die Unterscheidung zwischen invasiven und nichtinvasiven Tumoren. Der nichtinvasive Tumor gilt hierbei als Vorstufe von Krebs, wobei der Tumor jedoch gerade erst beginnt, sich auszubreiten. Bei invasiven Mammatumoren ist eine Ausbreitung im naheliegenden Gewebe bereits erfolgt.

 

Diagnose Brustkrebs bei Frauen. Alle Informationen zu Ursachen, Symptomen, Vorsorge, Diagnose,  Therapien (Möglichkeiten), Krankheitsverlauf , Prognose und Nachsorge bei Brustkrebs.

 

Brust - Anatomie und Funktion 

Die Anatomie der Brust ist prinzipiell bei allen Frauen in gleicher Weise gestaltet. In der Brust kommen hauptsächlich zwei Gewebearten vor: Drüsen- und Fettgewebe. Nach der Geburt eines Kindes bildet die weibliche Brust in den Lobuli (Drüsen) Milch, welche über die Ductuli (Milchgänge) in die Mamille (Brustwarze) transportiert wird. Bei Tumoren der Drüsenlappenzellen spricht man von lobulären Karzinomen. Tumore der Milchgänge werden hingegen als duktale Karzinome bezeichnet.

 

Ursachen und Gründe für ein Mammakarzinom

Die für die Entstehung von Mammakarzinomen verantwortlichen Ursachen konnten durch die Forschung noch nicht vollständig abgeklärt werden. Dennoch konnten einige Risikofaktoren identifiziert werden, welche die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Mammakarzinoms vervielfachen können. Zu den bedeutendsten Risikofaktoren gehören:

  • Ursachen auf genetischer Ebene (z.B. BRCA1- und BRCA2-Genmutationen)
  • Familiäre Häufung von Mammakarzinomen
  • Bereits stattgehabtes Mammakarzinom
  • Ernährungsbedingte Ursachen (z.B. fetthaltige Ernährung)?
  • Ursache: häufiger Konsum alkoholischer Getränke?
  • Nikotinkonsum?
  • Mangel an körperlicher Aktivität?
  • Umweltbedingte Faktoren (z.B. Strahlungseinwirkung)
  • Therapeutischer Einsatz von Hormonen (z.B. Östrogen, Gestagen)
  • Kinderlosigkeit
  • Geburt des ersten Kindes nach einem Lebensalter von 30 Jahren
  • Ablehnung des Stillens
  • Frühzeitiger Beginn der Periode, verspätete Wechseljahre

Das Alter und die Häufigkeit der Mutterschaft beeinflussen ebenfalls die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Mammakarzinomen. Daneben spielt auch eine Rolle, ob und über welchen Zeitraum die Frau gestillt hat. Ebenso beeinflussen auch die Zeitpunkte des Einsetzens der Regelblutung sowie der Menopause das Erkrankungsrisiko.

 

Bindungsstellen für Hormone

In der Brust gibt es Hormonrezeptoren, die als Bindungsstellen für Hormone (z.B. Östrogene) fungieren. Mit ihrer Hilfe werden durch Hormone transportierte Informationen an die Zellen weitergeleitet. Mithilfe der Hormonrezeptoren können bedauerlicherweise auch Östrogene dazu beitragen, die Entwicklung und den Zuwachs bestimmter Tumorzellen zu bedingen.

Der therapeutische Einsatz von Hormonen kann ebenfalls das Risiko für das Auftreten eines Mammakarzinoms erhöhen, sofern dieser länger als fünf Jahre erfolgt. Dies gilt hauptsächlich für Medikamente in den Wechseljahren , in denen Östrogene und Gestagene eingesetzt werden.werden.

Nikotinkonsum

Der Nikotinkonsum stellt den bedeutendsten verhaltensbedingten Risikofaktor in Bezug auf viele Krebsarten dar. Hierbei sind nicht nur Lungenkarzinome, sondern vermutlich auch andere Karzinome, wie Brustkarzinome, inbegriffen.

Einen weiteren verhaltensbedingten Risikofaktor stellt die Nahrungsmenge und -zusammensetzung dar. Menschen mit einem hohen Body-Mass-Index (BMI) erkranken häufiger an Brustkarzinomen als Menschen mit einem niedrigen BMI. 

Mammographische Dichte als Ursache

Auch anatomische Gegebenheiten, wie etwa die mammographische Dichte, spielen eine Rolle. Bei einer hohen mammographischen Dichte besteht der Aufbau der Brust anteilig aus weniger Fett- und mehr Drüsen- und Bindegewebe. Bei Frauen, bei denen diese hoch ist, besteht ein fünfmal so hohes Risiko, an einem Brustkarzinom zu erkranken. 

Ursache: genetische Veranlagung

Etwa 5 bis 10% aller Brustkarzinomerkrankungen entstehen aufgrund einer genetischen Veranlagung. In Familien, in denen genetisch bedingt eine erhöhte Häufigkeit von Brustkrebs besteht, sollte ein Gentest durchgeführt werden. Die Ursache für ein genetisch bedingtes Brustkarzinom kann in einer Genmutation der Gene BRCA-1 und BRCA-2 bestehen. Daneben sind auch weitere, mit Brustkrebs assoziierte Gene bekannt.

 

 

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Symptome bei Brustkarzinomen

Etwa 50 % der Brustkarzinome sind bei betroffenen Frauen im oberen äußeren Brustbereich lokalisiert. Etwa 15 % der Brustkarzinome befinden sich im inneren oberen Brustbereich. Generell ist ein gehäuftes Auftreten von Karzinomen in der linken Brust zu beobachten. Es gibt eine Vielzahl an Symptomen, welche auf Brustkrebs hindeuten. Symptome können auch auftreten, obwohl es keine offensichtlichen Gründe und Ursachen bei Ihnen für Brustkrebs gibt.

Bei Auftreten von einem oder mehreren der im Folgenden aufgelisteten Symptome sollte schnellstmöglich ein Besuch beim Frauenarzt erfolgen. Achten Sie auf sich und nehmen Sie Symptome ernst.

 

Knoten in der Brust als mögliches Symptom

In der Brust auftretende Knoten können etwa ab einer Größe von 1 bis 2 cm getastet werden. Hierbei ist die Tastbarkeit des Knotens von mehreren Faktoren abhängig: der Lage des Knotens, der Struktur des Brustgewebes selbst sowie der Größe der Brust. Verdächtige Knoten sind nicht verschieblich und meistens nicht schmerzhaft. Nehmen Sie die Symptomatik ernst und gehen Sie zu Ihrem Arzt.

Weitere Symptome: Einziehungen der Brustwarzen

Im Bereich der Mamillen (Brustwarzen) kann es in einem Bereich oder im Bereich der ganzen Mamille zu akuten Einziehungen oder Einsenkungen kommen. Daneben sind auch entzündliche Veränderungen oder andere Veränderungen der Haut möglich. Besonders verdächtig sind solche Veränderungen, wenn sie bluten oder nur auf einer Seite bestehen.

Die meisten Frauen können generelle Größenunterschiede zwischen ihrer linken und rechten Brust feststellen. Tritt der Größenunterschied allerdings neu auf, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Es sollte ebenfalls eine ärztliche Abklärung erfolgen, wenn beim Anheben der Arme Unterschiede im Bewegungsverhalten der Brüste sichtbar werden. Stellen Sie einen neuen Größenunterschied bei Ihrer Brust fest, nehmen Sie sich die Zeit und gehen Sie für eine Kontrolle zu Ihrem Arzt.

Hautauffälligkeiten als Symptome für Brustkrebs

Verschiedene Hautauffälligkeiten, wie Einziehungen, große Poren, Cellulite, eine lang bestehende, gerötete Hautoberfläche oder entzündliche Hautveränderungen, können Hinweise darauf geben, dass ein Brustkarzinom besteht. Lassen Sie das Symptom auf Brustkrebs bei Ihrem Arzt untersuchen.

Treten in der Achselhöhle Vergrößerungen und Knötchenbildungen auf, kann dies einen Hinweis auf Metastasenbildung in den Lymphknoten geben. Allerdings kann es auch bei Infekten zu einer Vergrößerung der Lymphknoten kommen. Lassen Sie die Symptomatik bei Ihrem Arzt anschauen.

 

Früherkennung und Vorsorge bei Brustkrebs

Vorsorge und Früherkennung im Überblick

Eine Vorbeugung  und Früherkennung von Brustkrebs kann durch die Vermeidung von verhaltensbedingten Risikofaktoren und eine gesunde Lebensführung (wie Bewegung und eine ausgewogene Ernährung) erfolgen. Generell gilt: 

Früherkennung der gesetzlichen Krankenkassen

Regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs gelten als Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Abstände und Arten der einzelnen Untersuchungen hängen vom Alter der Patientin ab.

Bei Frauen im Alter zwischen 30 und 50 erfolgt eine Tastuntersuchung des Brustdrüsengewebes und der Lymphdrüsen im Bereich der Achselhöhle sowie des Schlüssel- und Brustbeines. Daneben erfolgt ebenfalls eine Kontrolle der Brustgröße und -form sowie der Brustwarzen.

Bei Frauen zwischen 50 und 70 Jahren erfolgt neben der jährlichen Abtastung im Abstand von zwei Jahren eine schriftliche Einladung zu einem Mammographie-Screening.

 

Machen Sie selbst etwas für Ihre Vorsorge

Bei einer Vielzahl von Frauen erfolgt die Entdeckung von Karzinomen im Brustbereich selbstständig. Dies kann beispielsweise als Zufallsbefund bei der Körperpflege oder auch durch die gezielte Selbstuntersuchung stattfinden.

Das Untersuchen des eigenen Körpers führt dazu, dass der Körper sowie eventuelle Veränderungen bewusster wahrgenommen werden. Aus diesem Grund lautet die Empfehlung der Krebsgesellschaften in Deutschland, mindestens einmal im Monat die Brust im Spiegel zu betrachten und abzutasten. Daneben sollen auch die weiteren empfohlenen Maßnahmen (z.B. Mammographie-Screening) zur Vorsorge wahrgenommen werden.

 

 

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Diagnose Brustkrebs

Die Diagnose und der Befund

Bei den Betroffenen kommt es nach der Entdeckung eines verdächtigen Tast- oder Mammographiebefundes häufig zu Beunruhigung.

Gutartige Tumore

Nicht immer sind die knotigen Veränderungen im Brustgewebe hormonell bedingt. Speziell im Brustgewebe können sich Knoten aus anderen Geweben (z.B. Fettgewebe, Drüsengewebe oder Bindegewebe) bilden:

  • Geschwülste des Fettgewebes
  • Benigne Knoten aus Drüsen- und Bindegewebe 
  • Bildung von flüssigkeitsgefüllten Geschwülsten (Zysten); hierbei kann meist bereits mittels Ultraschall eine maligne Genese ausgeschlossen werden
  • Auftreten von mehreren Knoten und Zysten im Brustgewebe, welche die sichere Diagnose eines Karzinoms mittels Tastbefund und Mammographie erschweren; hier besteht häufig eine Indikation für die Entnahme von Brustgewebe zur Auswertung

Vorstufen von Brustkrebs

Eine sichere Diagnose von Brustkrebs deutet noch nicht per se auf ein hohes Gefahrenpotenzial hin. 

Unterschiedliche Diagnoseverfahren zur Abklärung von Verdachtsdiagnosen :

Es gibt eine Vielzahl an Brustuntersuchungen und Diagnoseverfahren, die man sowohl für die Vorsorgeuntersuchungen, als auch für die Diagnose verwenden kann. Nachfolgend erhalten Sie einen Überblick über die häufigsten Diagnoseverfahren für Brustkrebs:

Mammographie – Diagnoseverfahren 

Unter einer Mammographie versteht man eine röntgenologische Brustuntersuchung. Die Mammographie stellt für die Abklärung von Verdachtsdiagnosen momentan die beste Untersuchungsmethode dar. Allerdings wird sie daneben auch im Rahmen der Früherkennung, ohne entsprechenden Verdacht, angewandt. Mithilfe der Mammographie können selbst winzige Knoten, die noch nicht tastbar sind, sowie auch Mikrokalk erkannt werden.

 

Ultraschall

Hierunter versteht man eine Ultraschalluntersuchung des Gewebes. Mithilfe des entstehenden Ultraschallbildes kann zwischen Gewebestrukturen, die eine unterschiedliche Schalldichte aufweisen, differenziert werden, z.B. die klare Abgrenzung eine Zyste.

 

Kernspintomographie (MRT)

Unter der Kernspintomographie, die häufig auch als Magnetresonanztomographie (MRT) bezeichnet wird, versteht man eine visuelle Untersuchung der Brust in Bauchlage, bei der das entstehende Bild in mehrere Längs- und Querschichten geteilt ist. Im Rahmen des Verfahrens wird ein starkes Magnetfeld angewandt, welches eine Wirkung auf die Wasserstoff-Atomkerne im menschlichen Körper hat und eine empfindliche Gewebedifferenzierung gestattet.

 

Biopsie

Auch nach der Durchführung von Mammographie-, Ultraschall- und MRT-Untersuchungen können beim untersuchenden Arzt noch Zweifel am Befund bestehen. Die eindeutige Diagnose eines bösartigen Tumors kann nur bioptisch erfolgen. Hierzu kann zum Zweck einer histologischen Untersuchung eine Gewebeentnahme erfolgen, durch welche im Anschluss der Befund endgültig hinsichtlich seiner Gut- oder Bösartigkeit sowie seiner Gewebeeigenschaften abgeklärt werden kann.

 

 

 

 

Krankheitsverlauf und Prognose bei Mammakarzinom

Wie verläuft die Brustkrebserkrankung?

Die Mehrzahl der Brustkrebserkrankungen ist bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung heilbar. Trotz einem in den letzten Jahren zu beobachtenden Anstieg bei Neudiagnosen ist ein kontinuierliches Absinken der Sterbefälle aufgrund von Brustkrebs zu beobachten. Ein Prozentsatz von 87% der Diagnosefälle ist nach einer Zeitspanne von 5 Jahren noch am Leben. Bei Brustkarzinomen sind jedoch im Vergleich zu anderen Krebsarten auch mehrere Jahre nach der Behandlung noch Lokalrezidive und Metastasierungen möglich. Insbesondere bei Brustkrebs ist also eine ausdauernde Nachsorge von grundlegender Bedeutung (5 bis 10 Jahre).

Um eine andauernde Heilung zu ermöglichen, muss eine komplette Zerstörung des Brustkarzinoms erfolgen. Wenn der Tumor bereits Metastasierungen – also Tochtergeschwüre – in anderen Teilen des Körpers gebildet hat, ist mit den heutzutage verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten meist keine Chance auf eine Heilung erzielbar.

Für Krebspatientinnen mit Brustkrebs in fortgeschrittenem Stadium wurde früher die durchschnittliche Lebenserwartung nach der Erstdiagnose von Metastasen mit durchschnittlich 2 Jahren angegeben. Heutzutage wird die Lebenserwartung nach dem Auftreten von Metastasen für ca. 25% der betroffenen Patientinnen mit 5 Jahren und für 10% der Betroffenen mit 10 oder mehr Jahren angegeben. Allerdings sind solche Schätzungen nie aktuell. Es ist nicht genau bekannt, welche Lebenserwartung die Betroffenen mit den modernen Therapiemethoden erreichen können. Laut aktuelleren Studien, wie etwa zu Antihormon- oder auf HER2/neu ausgerichtete Therapien, wird eine durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 4 bis 5 Jahren geschätzt.

 

Therapiemöglichkeiten bei einem Mammakarzinom

Bei der Therapie des Mammakarzinoms sind einige Faktoren zu berücksichtigen:

1) Menopausenstatus (Wechseljahre, vor / nach ca. 50 Jahren)

  • Prämenopausal, perimenopausal, postmenopausal                                                                                                                  
  • Bei  der prämenopausalen (und ggf. je nach Laborwerten auch bei der perimenopausalen ) Frau ist bei der endokrinen Therapie die interferierende Hormonproduktion der Eierstöcke zu berücksichtigen und durch Gonadotropingabe Gn-RH (mit blockierender Wirkung der geschlechtshormonsteuernden Funktion der Hirnanhangsdrüse ) zu blockieren, da funktionierende Eierstöcke in der Lage sind, den hormonblockierenden Effekt der Medikamente zu übertreffen.

2) Setting (Therapiestrategie)

  • Neoadjuvant (induktiv), sog. PST= primär systemische Therapie
  • Operation (kurativ) möglichst brusterhaltend, sog. BET= brusterhaltende OP
  • Postneoadjuvant (unmittelbar postoperative Fortsetzung der neoadjuvanten Therapie)
  • Radiatio (ggf. Strahlentherapie parallel zur adjuvanten Therapie)
  • Adjuvant (unterstützend mit kurativer Intention)
  • Palliativ (metastasiert, keine Heilung mehr möglich, Aufhalten)

3) Sog. TNM-Status  (klinisches Stadium)

  • T für Tumorgröße (<2, 2-5, >5 cm)
  • Der Zusatz p bedeutet histologisch invasiv bestimmt, der Zusatz c bedeutet nur klinisch bestimmt ohne histologische Sicherung, die jedoch durch Biopsie immer angestrebt werden sollte
  • N für Nodalbefall (Lymphknoten)
  • M für Metastasierung (Tochtergeschwülste oder Filiae)

4)      Tumoreigenschaften

  • Histologie: luminal (von Drüsen ausgehend), duktal (von Milchgängen ausgehend), medullär
  • Grading  (Differenzierungsgrad der Tumorzellen; G3 undifferenziert = aggressiv)
  • G2 (intermediär mit unklarer Prognose) kann z.B. durch Oncotype DX oder Endopredict weiter differenziert werden; bei G1 besteht keine Empfindlichkeit gegenüber Chemotherapie!
  • Hormonrezeptoten (HR) in %: ER = Östrogenrezeptoren, PR = Progesteronrezeptoren
  • HER-Status : 1+ neg, 2+ unklar, 3+ positiv; bei Her2+ wird ein Spezialtest angeschlossen, um ein definitives Ergebnis zu erhalten.
  • Ki67: Mitosereichtum des Gewebes und damit Proliferationsgeschwindigkeit; Ki >25% gilt als
  • Rasch wachsender dynamischer Tumor
  • Mutationen: z.B. TP53, BRCA 1+2, PD-L1

5)      Tumortypen:

  • Luminal A:  HR-positiv, Ki <20
  • Luminal B:  HR-positiv, Ki >25
  • HER-Typ:  HER-positiv, jeweils HR-positiv oder -negativ
  • Triple negativ: HR-negativ und HER-negativ
  • Basal-like: keine Rezeptoren, Mutationen

Somit könnte eine vollständige Tumorformel, die immer! bestimmt werden sollte, lauten: prämenopausales duktales MC im Stadium pT1 pN1 M0 G3, ER 90%, PR 15%, HER 1+, Ki 35%

In der Regel sollte ein HR-positiver Tumor immer in mehreren Stufen endokrin behandelt werden. Lediglich bei kritischem Organbefall (z.B. progrediente Lebermetastasierung) ist eine Polychemotherapie in Erwägung zu ziehen. Insbesondere bei Tumorgröße über 2 cm und HER-Positivität sollte eine primär systemische (neoadjuvante) Chemotherapie erfolgen, da diese Tumoren in der Regel schlecht radikal und nur mit großem Gewebeverlust operabel sind, sodass eine BET (brusterhaltende Therapie) schwierig und kosmetisch unbefriedigend ist. Im Std pT1 (Tumor <2cm) und 1-2- LK kann die primäre Operation mit nachfolgender adjuvanter Therapie gewählt werden.

Bei Brustkrebs gibt es viele Therapiemöglichkeiten. Die unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten können in folgende Bereiche unterteilt werden:

 

Wie wird Krebs in der Brust operiert?

Eine Therapiemöglichkeit, Brustkrebs zu behandeln, ist die Operation. Auch heutzutage ist bei malignen Karzinomen im Bereich der Brust die operative Entfernung von grundlegender Bedeutung. Hierbei ist allerdings weit überwiegend eine Erhaltung der Brust möglich.

Brusterhaltende Operation

Für brusterhaltende Operationen besteht generell für die Betroffenen kein erhöhtes Risiko, an einem Tumorrezidiv zu erkranken, als bei einer radikalen Entfernung der Brust. Das entscheidende Kriterium hierbei besteht darin, dass das Tumorgewebe restlos entfernt wurde. Von einer vollständigen Entfernung des Tumors ist auszugehen, wenn die histologische Untersuchung des Schnittrandes keine Tumorzellen mehr zeigt und anschließend eine Bestrahlungstherapie stattfindet.

Letzten Endes ist bei jeder Patientin unter Einbeziehung der bildgebenden Verfahren, der klinischen Ergebnisse und Pathologiebefunde über die individuelle Indikation für eine brusterhaltende Operation zu entscheiden.

Operation bei metastasiertem Brustkrebs

Im Falle eines metastasierten Brustkrebs besteht für die Erkrankung keine Heilungschance. Früher wurde bei solchen Befunden keine operative Entfernung des Karzinoms vorgenommen. Anstelle dessen kamen hier lediglich Bestrahlung und systemische Therapien zur Anwendung.

Welche Hormontherapie ist die richtige?

Die Antihormontherapie ist eine medikamentöse Therapiemöglichkeit, die dazu dient, das Wachstum des Tumorgewebes aufzuhalten oder zu reduzieren. Je nach Behandlung kann die betroffene Patientin weiterhin ihre Fruchtbarkeit erhalten. Es kommt ggf. zu einem Wiedereinsetzen der Menstruationsblutung.

Die Antihormontherapie ist – wie auch die Chemotherapie – im gesamten Organismus (systemisch) wirksam, wodurch auch kleine, mit der aktuellen Technik noch nicht diagnostizierbare Tumorherde (adjuvant) behandelt werden. Gegenüber der Chemotherapie bietet die endokrine Therapie den Vorteil, dass das gesunde Zellgewebe – trotz Beeinflussung durch Hormonentzug – durch die Behandlung nicht attackiert wird. Dennoch kann es bei der Antihormontherapie zu Nebenwirkungen kommen.

Die Strahlentherapie (auch Radiotherapie genannt) stellt neben der operativen Entfernung und der Behandlung mit Medikamenten bei von Brustkrebs betroffenen Frauen die häufigste Therapiemethode dar. Bei der Strahlentherapie erfolgt mittels hochdosierter, ionisierender Strahlung eine Schädigung der Zellen im Bereich der Bestrahlung. Hierbei werden (z.B. mittels Röntgenstrahlung) sowohl gesunde als auch Karzinomzellen geschädigt. Bei Karzinomzellen besteht im Vergleich zu anderen Zellen des menschlichen Körpers eine weniger effektive Fähigkeit zur Zellregeneration. Krebszellen sind nicht dazu in der Lage, die strahlungsbedingten Defekte zu reparieren und sterben somit vermehrt ab.

Wann wird die Chemotherapie angewendet?

Betroffene, bei denen ein Brustkrebs im Frühstadium diagnostiziert wurde und bei denen das Risiko, ein Rezidiv zu erleiden, als gering eingestuft wird, müssen nicht in jedem Fall eine Chemotherapie durchlaufen. Dies gilt überwiegend für Patientinnen in der Postmenopause, bei denen ein Hormonrezeptor-positives und HER2-negatives Mammakarzinom ohne befallene Lymphknoten diagnostiziert wurde. In solchen Fällen reicht eine Antihormontherapie aus. Für die zukünftige Früherkennung dieser Gruppe von Patientinnen können Gen- und Biomarkertests eingesetzt werden.

Bei Befall von mehr als 3 axillären LK und bei Luminal B-Tumoren (Ki67 >25) ist eine systemische, zytotoxische Chemotherapie über 6 Monate indiziert, die nach Möglichkeit neoadjuvant appliziert werden sollte. So kann bei der nachfolgenden Operation der Therapieeffekt abgeschätzt  werden. Hier und bei metastasierter Erkrankung gibt es viele standardisierte Chemovarianten, die eine gründliche Erfahrung des Onkologen erfordern, da sie mit zahlreichen Nebenwirkungen (u.a. Haarausfall) verbunden sind. Gängige Chemoprotokolle sind das EC-Pac (4x Epirubicin / Cyclophosphamid - 12x Paclitaxel) oder EC-Doc (je 4x Epirubicin / Cyclophosphamid - Docetaxel oder das anthracyclinfreie DC (6x Docetaxel / Cyclophosphamid). Ihr Onkologe ist verpflichtet, Sie schriftlich über die speziellen Nebenwirkungen dieser Therapien aufzuklären. Trauen Sie sich, unverstandene Sachverhalte nachzufragen.

Bei HER-positiven Tumoren sollte immer ein neoadjuvantes Setting erfolgen. In Kombination mit der konventionellen Chemotherapie werden Trastuzumab (Herceptin, Generika)  und Pertuzumab (Perjeta) über 12 Monate alle 3 Wochen gegeben. Diese Therapie benötigt eine individuell ausgerichtete, sog. supportive (unterstützende) Begleittherapie, die einer großen Erfahrung des Onkologen bedarf.

Bei erfolgter Skelettmetastasierung gibt man zusätzlich Bisphosphonate (Zometa, Ibandronat) oder Denosumab (Xgeva). Die antiemetische Therapie erfolgt individuell und kann ggf. schrittweise gesteigert werden. Therapiebedingtes Erbrechen sollte es nicht mehr geben!

Die sogenannte zielgerichtete Krebstherapie stellt einen erst kürzlich entwickelten Behandlungsansatz aus dem Bereich der Molekularbiologie dar. Hierbei werden spezifische Wirkstoffe eingesetzt, die lediglich die Krebszellen angreifen – und nicht wie bei der unspezifisch wirkenden Chemotherapie auch gesunde Zellen. Diese Behandlungsmethode belastet die Betroffene im Vergleich zu anderen Therapien weniger körperlich.

 

Nachsorge und onkologische Reha bei Mammakarzinom

Die Phase der Nachsorge / Reha beginnt nach Beendigung der Krebstherapie zur Heilung der Tumorerkrankung.

 

NACHSORGE – KONTROLLE IST BESSER …

Frauen, bei denen ein Mammakarzinom in einem frühen Stadium ohne Metastasierungen diagnostiziert wurde, beginnen sofort nach der Erstbehandlung (operative Entfernung, Strahlungstherapie, Chemotherapie) mit der Nachsorgebehandlung. Im Rahmen der Nachsorge finden in regelmäßigen Abständen Untersuchungen statt, die der Kontrolle auf Tumorrezidive und Therapienebenwirkungen dienen. 

Was wird untersucht?

Bei einer Nachsorgeuntersuchung werden beide Brüste sowie die Lymphgänge durch die Patientin selbst oder den Arzt abgetastet. Daneben finden im Rahmen der Nachsorge auch andere Untersuchungsmethoden Anwendung.

Nachsorge-Zeitplan

Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt in ihren Leitlinien zur Nachsorge folgende zeitliche Abfolge der einzelnen Untersuchungen:

Bis zu drei Jahre:

  • Alle 3 Monate je ein Gesprächs- und ein Untersuchungstermin
  • Im Anschluss an eine brusterhaltende Operation im Abstand von 12 Monaten mammografische Untersuchung beider Brüste
  • Alle 12 Monate eine Untersuchung beider Brüste mittels Brustultraschall
  • Besteht die Möglichkeit auf Tumorrezidiv, Metastasierungen oder starke Nebenwirkungen Hinzuziehen weiterer Untersuchungsmethoden (z. B. Labor, andere bildgebende Verfahren etc.)

Ab dem vierten Jahr:

  • Alle 6 Monate ein Gesprächs- und ein Untersuchungstermin
  • In 12-monatigem Abstand Mammografie- und Brustultraschalluntersuchung
  • Bei Verdacht auf Tumorrezidiv, Metastasierungen oder starke Nebenwirkungen Hinzuziehen weiterer Untersuchungsmethoden (z. B. Labor, andere bildgebende Verfahren etc.)

Ab dem sechsten Jahr:

  • Einmal jährlich Mammografie- und Brustultraschalluntersuchung im Rahmen der Früherkennung
  • Weiterer Untersuchungsmethoden müssen hinzugezogen werden, falls es Verdacht auf Tumorrezidiv, Metastasierungen oder starke Nebenwirkungen gibt

Es ist zu beachten, dass die soeben dargestellten Leitlinien lediglich als Orientierung dienen. Das konkrete Vorgehen (Untersuchungsart und -zeitpunkt) wird in Anbetracht der individuellen Rahmenbedingungen des Falls stets durch den behandelnden Arzt entschieden.

Die Diagnose Brustkrebs stellt in jedem Fall für die betroffenen Frauen ein prägendes Lebensereignis dar. Das Ende der durchlaufenen Therapie geht für die Überzahl der Patientinnen nicht mit einer direkten Rückkehr in das alltägliche Leben einher. Die Betroffenen leiden auch nach dem Ende der Therapie häufig noch an physischer Schwäche und seelischer Belastung. Oftmals bietet sich in diesem Fall eine ambulante oder stationäre Reha in einer Rehaklinik an. Scheuen Sie sich nicht, danach zu fragen. 

 

   

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Zuletzt geändert am: 16.07.2020
Lektor
Dr. med. Wolfgang Abenhardt
Dr. med. Wolfgang Abenhardt

Internistischer Onkologe

 

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